H

Kapital muss bedient werden!“

H. M. Schleyer, dt. Industrieller

 

Gesells Name wird ein führender Name in der Geschichte sein, wenn sie einst entwirrt sein wird.“

H.G. Wells, Historiker

 

Als die Reagan-Bush-Administration 1981 antrat, um die „fiskalpolitische Verantwortungslosigkeit“ der Demokraten zu beenden und den Haushalt bis 1984 auszugleichen, hatten alle Präsidenten seit George Washington insgesamt Staatsschulden in Höhe von 925 Milliarden Dollar aufgehäuft. Sie haben sich seither in etwa vervierfacht, und mit rund 200 Milliarden liegt der Netto-Zinsaufwand pro Jahr mittlerweile fast so hoch wie die gesamten Kosten des Staatsbetriebs ohne Militär und Transferzahlungen.“

Handelsblatt 06.02.1991

 

Immer weniger Unternehmen verwalten das Bruttosozialprodukt der Welt. Eine Handvoll von Managern, die allenfalls über Optionsscheine winzige Bruchteilseigentümer ihrer Konzerne werden, befiehlt von freigewählten und international vernetzten Feldherrnhügeln über das Millionenheer der Belegschaften, wobei Beschäftigung den konkurrierenden Nationen nach Belieben entzogen und zugeteilt werden kann.“

Handelsblatt 09.06.1998

 

Wie sehr unser Rentensystem schon seit Jahren die Leistung der Bürger überfordert, zeigen nicht allein die steigenden Abgaben, sondern noch deutlicher der zunehmende Anteil der Rentenzahlungen am Bruttosozialprodukt. 1970 betrugen die Rentenzahlungen 38,1 Mrd. DM, ... 1980 erforderten die Rentenzahlungen bereits fast das Dreifache, nämlich 109 Mrd. DM. 1998 war dieser Anteil weiter auf 8, 7 Prozent (zum BSP) gestiegen, bei einer Rentensumme von 329 Mrd. DM.“

Handelsblatt 28.12.1999

 

Pakistans Oberster Gerichtshof hat Zinsen für unislamisch erklärt und die Regierung aufgefordert, bis 2001 ein zinsfreies Wirtschaftssystem zu schaffen.“

Handelsblatt interaktiv 24.12.1999

 

„„Wir sind für Wachstum“, war der Titel einer Inseraten-Kampagne der Schweizer Banken. „Das Wachstum der Wirtschaft muss angekurbelt werden“ so das Rezept der Manager. Verdrängt man denn die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte? Warum ist man nicht fähig, einige ganz einfache Rechnungen zu machen? 2% Wachstum bedeutet Verdoppelung in 35 Jahren. Eine Verdoppelung muss man sich ganz konkret vor Augen führen. Dies heißt: In 35 Jahren von allem, was wir heute in der westlichen Industriewelt an materiellen Gütern und Dienstleistungen haben, doppelt so viel!

Doppelt soviel Straßen

Doppelt soviel Autos

Doppelt soviel Häuser

Doppelt soviel Ferienreisen

Doppelt soviel Medikamente

[...]

Jeder nur einigermaßen vernünftige Mensch sieht sofort ein, dass ein solches Rezept heller Wahnsinn ist. Aber die Herren wollen ja nicht 2% Wachstum, sondern 6%, um ihre Probleme lösen zu können.“

Hans A. Pestalozzi (*1929), schweiz. Wirtschaftswissenschaftler, ehem. Leiter des Duttweiler-Instituts für wirtschaftliche und soziale Forschung, freier Publizist, in "Auf die Bäume ihr Affen" (1989)

 

Das Risiko einer erheblichen weltweiten Finanzkrise ist für mich größer als das Unfallrisiko für jemanden, der ohne Anleitung und Training einfach mal mit dem Fallschirm in 1000 Meter Höhe abspringt.“

Hans Albrecht, Gründer des Münchner Private-Equity-Unternehmens Nordwind Capital, ehem. Carlyle-Deutschland-Chef, Wirtschaftswoche 47/2006

 

99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als „nicht existent“. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.“

Hans Christoph Binswanger (*1929), schweiz. Wirtschaftswissenschaftler, Prof. an der Univeristät St. Gallen

 

Nicht nur die Reproduktion von Arbeit und Kapital, sondern auch die Reproduktion bzw. Instandhaltung der Natur muss als Aufgabe der Wirtschaft betrachtet werden. Die Natur muss als dritter Produktionsfaktor und auch als dritter Sozialpartner anerkannt werden.“

Hans Christoph Binswanger (*1929), schweiz. Wirtschaftswissenschaftler, Prof. an der Univeristät St. Gallen

 

Bei meiner Interpretation ist die Erkenntnis neu, dass Goethe im Faust die moderne Wirtschaft als einen alchimistischen Prozess beschreibt und vor den Folgen solchen Tuns eindringlich warnt: vor allem dort, wo von der Schaffung von Gold, von Geld, von den Geldschöpfungsexperimenten die Rede ist... Hier liegt ein wesentlicher Teil von Goethes Faust-Botschaft. Alchemie ist kein mittelalterlicher Aberglaube, sie wird konsequenter denn je praktiziert, sie experimentiert heute mit dem Globus insgesamt, und dieses alchimistische Großprojekt heißt „moderne Wirtschaft“... Was passiert denn in der Wirtschaft heute? Ständig „wächst“ etwas „zu“. Merkwürdig nur, dass nirgendwo irgendetwas weniger werden soll. Genau das ist Alchemie, die Fortsetzung des Schöpfungsprozesses quasi aus dem Nichts.“

Hans Christoph Binswanger (*1929), schweiz. Wirtschaftswissenschaftler, Prof. an der Univeristät St. Gallen, in einem Interview (1988)

 

Wenn Bewohner einer Region Handelsgeschäfte untereinander nur mit Hilfe eines Zahlungsmittels tätigen können, das von Menschen außerhalb dieser Region ausgegeben wird, wird ihre wirtschaftliche Lage immer von Ereignissen abhängig sein, die sie nicht beeinflussen können. Daher ist der erste Schritt einer Gemeinde, die ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erweitern will, die Einführung eines eigenen lokalen Zahlungsmittels, das neben der nationalen Währung verwendet werden kann.“

Hans Diefenbacher (*1954), Referent für Ökonomie in der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST) in Heidelberg und Beauftragter des Rates der EKD für Umweltfragen,Richard Douthwaite (*1942), brit. Wirtschaftswissenschaftler, ehem. Unternehmer, ehem. Berater beim GCI (Global Common Institut, London), Journalist und Autor mit Schwerpunkt Wirtschaft, Nachhaltigkeit, fossile Energien, Windkraft, in "Jenseits der Globalisierung - Handbuch für lokales Wirtschaften" (1998)

 

Rüstung bedeutet ökonomisch den Abzug zinsdrückenden Kapitals vom Markt. Und da die Rüstungsindustrie nicht für den Markt produziert, bedeutet Rüstung die Trockenlegung zinsbedrohender Kapitalüberschüsse auf Kosten der Steuerzahler.“

Hans Fabricius, in "Telos, Dez. 1966"

 

Wir sind, was uns treibt. Aber wer oder was ist das -?“

Hans Kudszus (*1901, †1977), dt. Aphoristiker, in "Jaworte, Neinworte. Aphorismen" (1970)

 

Inmitten aller Geistes- und Wissenssteigerung leben wir heute in bezug auf das Geld noch in einem prähistorischen Nebel, und unsere geistigen und politischen Führer sind im Bettlergehorsam nach besten Kräften bemüht, diese Dunkelfelder zu erhalten und zu schützen. Deshalb gibt es auf der ganzen Erde kein Schulbuch über das Geld, und in allen sonstigen Bildungsschichten werden die zukünftigen Staatsbürger im Hinblick auf das Geld bewußt als absolute Analphabeten in das Leben entlassen, damit sie in stumpfer Unwissenheit dem obersten Gesetz der Geldvermehrung dienen und nicht erkennen, daß sie damit sich selbst und ihren Kindern das Grab schaufeln.“

Hans Kühn

 

Kaspar, Melchior und Balthasar sind die Heiligen Drei Könige, deren Namenskürzel K+M+B in katholischen Regionen auf Haustüren geschrieben werden, damit der Haussegen im neuen Jahr nicht schief hängen möge. Doch die Initialen der „drei Weisen aus dem Morgenland“ ließen sich im Abendland längst auch anders übersetzen: Kapitalismus+Macht+Besitz.“

Hans Olbrich (*1937), dt. Verleger und Werbefachmann, Redakteur der Zeitschrift Humonde

 

Wir leben in keiner normalen Zeit, sondern in einer Zeit der letztmöglichen Abkehr vom programmierten Untergang der Menschheit.“

Hans-Joachim Führer

 

Die einzige Ressource, mit der sich heute Geld verdienen lässt, ist Geld. Deshalb leben wir heute in der kapitalistischsten Zeit die je existierte.“

Hans-Jörg Rudloff, Bankier

 

Der Zins ist ein Tribut, den der Schaffende - vom Industriearbeiter bis zum Bauern und Unternehmer - dem Geldleiher entrichten muss, damit überhaupt gearbeitet werden kann. Der Zins wird in den Preis aller Waren eingerechnet und dadurch auf die Konsumenten abgewälzt. Er ist eine erdrückende Last für die große Mehrheit und eine mühelose Einnahmequelle für eine kleine Minderheit der Bevölkerung. Der Zins ist arbeitsfreies Einkommen und daher ethisch nicht zu verantworten.“

Hansjürg Weder, schweiz. Nationalrat (1990)

 

...wer viel Geld hat, der hat viel Macht, und zwar eine Macht, die durch weiter nichts gerechtfertigt ist als durch den Besitz. Sie ist nicht rechenschaftspflichtig und ist nicht legitimiert durch einen Auftrag, sondern leitet sich einfach ab aus dem Besitz von Geld.“

Hans-Jürgen Fischbeck (*1938), dt. Physiker und Bürgerrechtler, in einem Interview (2002)

 

Man kann es kaum glauben, dass McDonald’s Umsatz-Rückgänge hat. Die US-Armee erschließt doch dauernd neue Märkte.“

Harald Schmidt (*1957), dt. Kabarettist und TV-Moderator

 

Ich glaube, dass viele anständige Investmentbanker und grundehrliche Makler an der Börse ihr Geld im Schweiße anderer Angesichter verdienen.“

Harald Schmidt (*1957), dt. Kabarettist und TV-Moderator

 

In der globalen Wirtschaft gelten inzwischen Regeln, die an die Anfänge des Kapitalismus erinnern.“

Heiner Geißler (*1930), dt. Politiker, Die Welt 20.08.2001

 

Ohne demokratische Geldordnung keine demokratische Staats- und Wirtschaftsführung!“

Heinrich Färber (*1864, †1941), öst. österreichischer Nationalökonom und Begründer der Ergokratie, www.volksgeld.de

 

Besteht nun die heutige Religion in der Geldwerdung Gottes oder in der Gottwerdung des Geldes?“

Heinrich Heine (*1797, †1856), dt. Schriftsteller

 

Lazarus - I. Weltlauf:

Hat man viel, so wird man bald

Noch viel mehr dazu bekommen.Wer nur wenig hat, dem wird

Auch das wenige genommen.Wenn du aber gar nichts hast, Ach, so lasse dich begraben -Denn ein Recht zum Leben, Lump,haben nur, die etwas haben.“

Heinrich Heine (*1797, †1856), dt. Schriftsteller, "Romanzero" (siehe auch Neues Testament, Lukas 19:26)

 

Silvio Gesell hat mich in meinen jungen Jahren beeindruckt. Die Ratlosigkeit der Politiker von heute macht die Arbeiten von Silvio Gesell immer moderner.“

Heinz Nixdorf (*1925, †1986), dt. Unternehmer, in einem Brief an Tristan Abromeit (1989)

 

Nehmen wir an, jeder Österreichische Bürger hätte vor zehn Jahren jeweils 10.000 Euro zu neun Prozent angelegt, so könnten durch den Zinseszinseffekt alle deren Kinder schon in 30 Jahren mit 2300 Euro im Monat von den Zinsen leben. Nach 56 Jahren wären alle Bürger Millionäre, mit einem Monatseinkommen von fast 10.000 Euro! Und das, ohne zu arbeiten - denn das Geld „arbeitet“ ja für sie. Dass hier etwas nicht stimmen kann, liegt klar auf der Hand.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst

 

Irving Fisher und John Maynard Keynes zeigten, dass sog. Durchhaltekosten auf die Geldhaltung (carrying costs) die Überlegenheit des Geldes neutralisieren würden.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst

 

Während Silvio Gesell von „rostenden Banknoten“ und Rudolf Steiner von „alterndem Geld“ gesprochen hat - sie wollten das Geld den Eigenschaften der Güter anpassen - hat Keynes den Begriff „Durchhaltekosten“ (carrying costs) in die Diskussion eingebracht. Dabei hatte er nicht nur das zu erreichende Gleichgewicht zwischen Geld und Gütern im Auge, sondern er stellte auch die Folgen solcher Durchhaltekosten für die Kapitalrendite heraus. Er erkannte, dass ein Geld, zum Angebot gezwungen wie die Güter und die menschliche Arbeit, in der Lage sein würde, „innerhalb einer Generation die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals [seinen Ertrag] … auf ungefähr Null herunterzubringen“.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst

 

Die Weltbank schätzt, daß Geldtransaktionen weltweit etwa das 15-20fache dessen betragen, was für den Welthandel, d.h. für den Austausch von Waren, tatsächlich erforderlich ist.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst, "Wachstum bis zum Crash" in Schriftenreihe zum Thema Geld, Heft Nr. 4

 

Allein in der Miete, das weiß ich aus meiner Erfahrung als Architekt, stecken 60 bis 80 Prozent Zinsen drin. Die besteht fast nur aus Zinsen. Deswegen sprechen ja auch die Süddeutschen vom Mietzins, wenn Sie die Miete ansprechen. Und im Schnitt aller Ausgaben gesehen, muss man mindestens ein Drittel, eher 40 Prozent ansetzen, die wir heute dafür zahlen. Mit jedem Euro, den ich ausgebe, zahle ich 40 Prozent: 40 Cent Zinsen! Und ich muss mal im Jahr zusammen addieren, was ich auf diese Weise an Zinsen gezahlt habe und das vergleichen mit den Zinserträgen, die ich tatsächlich hatte. Da werden 80 Prozent der Bevölkerung feststellen, dass sie mehr eingezahlt als herausbekommen haben.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst, Deutschlandfunk-Sendung "Zwischentöne"

 

Garantierte Abnahmemengen bei garantierten Preisen und Gewinnen machten die Rüstungsproduktion zu einer Wachstumsbranche ersten Ranges. Für die Industrie wurde es viel einfacher und sicherer, ein Dutzend Politiker für einen neuen Panzer zu gewinnen, als Millionen Verbraucher für ein neues Produkt.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst, in "Das Geld-Syndrom" (2001)

 

1. Mit sinkenden Zinsen wird die Kaufkraft von den Zinsbeziehern zu den Arbeitleistenden zurückverlagert. Damit wird es diesen bei gleichbleibendem materiellen Wohlstand möglich, Ihre Arbeitszeiten zugunsten der Arbeitsuchenden zu reduzieren.;

2. Mit sinkenden Zinsen erhalten umweltfreundliche und oft arbeitsintensivere Produktionsweisen größere Chancen. Damit werden vor allem Wind- und Solarenergie wirtschaftlich und wettbewerbsfähig, trotz ihrer höheren Investitionskosten.;

3. Mit sinkenden Zinsen, läßt das automatische Überwachstum der Geldvermögen nach. Damit entfällt auch der Zwang zu immer höheren Verschuldungen und kapitalintensiven Investitionen, die meist mit Einsparungen von Arbeitskräften einhergehen.;

4. Mit sinkenden Zinsen geht die Umschichtung der Einkommen von der Arbeit zum Besitz zurück. Damit verringern sich die zunehmenden sozialen Spannungen zwischen Arm und Reich, die mit Gefahren für den inneren und äußeren Frieden verbunden sind.;

5. Mit sinkenden Zinsen geht auch der Wachstumszwang zurück, der sich heute durch die kreditfinanzierten Investitionen und ihrer Zinsbedienung ergibt. Damit können Ökosteuern erst wirksam und ökologische Kreislaufwirtschaften erst möglich werden.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst, in einem Brief an Hermann Benjes

 

Man könnte rein theoretisch mit einer 20-Stunden-Woche seinen Lebensstandard, den man heute hat, decken, wenn man nicht eben auch noch ein Drittel der Zeit für die Zinsen arbeiten müsste.“

Helmut Creutz (*1923), dt. Architekt und Wirtschaftsanalyst, INWO-CD "Der Fluss des Geldes" (2001)

 

Und wir wissen, daß mit Prosperität auch - und das ist ein hartes Wort - ein gewisser Wohlstandsmüll entsteht: Leute die saufen, Drogen nehmen, sich abgemeldet haben. Für Menschen, die wirklich arbeiten wollen, gibt es immer noch Arbeit.“

Helmut Maucher (*1927), schweiz. Manager, ehem. Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats des Nestlé-Konzerns, Aufsichtsratsmitglied im Industrial Investment Council (IIC, Berlin) und Präsident des Council on European Responsibilities (COEUR, Paris) (1997)

 

Gen-Food ist das Essen der Zukunft. Wer in zehn Jahren Lebensmittel essen will, die nicht genmanipuliert sind, muss entweder verhungern oder sehr reich sein.“

Helmut Maucher (*1927), schweiz. Manager, ehem. Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats des Nestlé-Konzerns, Aufsichtsratsmitglied im Industrial Investment Council (IIC, Berlin) und Präsident des Council on European Responsibilities (COEUR, Paris), Bunte 34/1997

 

Wir haben mittlerweile ... einen gewissen Prozentsatz an Wohlstandsmüll in unserer Gesellschaft. Leute, die entweder keinen Antrieb haben zu arbeiten, halb krank oder müde sind.“

Helmut Maucher (*1927), schweiz. Manager, ehem. Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats des Nestlé-Konzerns, Aufsichtsratsmitglied im Industrial Investment Council (IIC, Berlin) und Präsident des Council on European Responsibilities (COEUR, Paris), in einem Interview im Stern (Unwort des Jahres 1997)

 

Der Bargeldumlauf wächst relativ stark, wenn die Zinsen besonders niedrig sind, weil es dann nicht viel kostet, sich liquide zu halten, der Zinsverlust ist gering ... Unter solchen Umständen nimmt auch das Horten von DM-Banknoten im Ausland zu.“

Helmut Schlesinger, ehem. Präsident der Deutschen Bundesbank, im Hessischen Rundfunk 24.01.1988

 

Ich habe früher von der „Bringschuld“ der Wissenschaftler im Allgemeinen gesprochen. Damit habe ich gemeint: Weil einerseits die Gesellschaft die wissenschaftliche Forschungsarbeit finanziert, so haben andererseits die Wissenschaftler die Pflicht, ihre Ergebnisse der Steuer zahlenden Gesellschaft verständlich zu machen. Richard von Weizsäcker hat einmal ähnlich formuliert: Wissenschaft sei auch sozial verpflichtet, der Gesellschaft verpflichtete Erkenntnissuche. Ich räume gern ein, dass die Ökonomen auf diesem Feld weit schlechter abschneiden als die Historiografen. Im Ergebnis sind aber nicht nur die ökonomischen, sondern auch die historischen Kenntnisse in unserer Gesellschaft leider ziemlich gering. Ein besonderes Defizit meine ich bei unserer politischen Klasse zu erkennen.“

Helmut Schmidt (*1918), dt. Politiker, Bundeskanzler 1974-1982, Die Zeit 01.04.2004

 

Die großen Kämpfe der neueren Zeit sind gegen Wunsch und Willen der Regierenden entbrannt. Die Börse hat in unseren Tagen einen Einfluss gewonnen, welcher die bewaffnete Macht für ihre Interessen ins Feld zu rufen vermag...“

Helmuth (Graf) von Moltke (*1800, †1891), Generalfeldmarschall, preuß./dt. Militärstratege, Oberbefehlshaber der preußischen Armee

 

Inflation ist immer ein wenigstens teilweise moralisches Problem. Inflation ist eine Form des Betrugs. Mir scheint auch, dass Ökonomen viel dazu beigetragen haben, den Weg für eine Inflation zu bahnen, wie wir sie jetzt haben ...“

Henry C. Wallich, US-amerikan. Notenbanker

 

Ich vermochte indes nicht einzusehen, wie ein Geschäftsbetrieb auf seine Waren noch einen hohen Zinsfuß aufschlagen und sie trotzdem zu einem angemessenen Preis auf den Markt bringen kann. Das habe ich niemals verstanden, vermochte auch nie zu begreifen, nach welcher Theorie der Zinsfuß für das ursprüngliche Anlagekapital eines Geschäftes zu berechnen sei. Die sogenannten Finanziers unter den Geschäftsleuten behaupten, das Geld wäre 6 % oder 5 % oder 4 % wert ... Geld an sich ist überhaupt nichts wert, da es für sich keinen Wert zu erzeugen vermag.“

Henry Ford (*1862, †1947), US-amerikan. Großunternehmer

 

Eigentlich ist es ganz gut, daß die Menschen der Nation unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, würden wir eine Revolution vor morgen früh haben. glaube ich.(It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.)“

Henry Ford (*1862, †1947), US-amerikan. Großunternehmer (um 1920)

 

Wenn wir jemals eine neue Erde bekommen sollten, so darf Geld auf ihr keine Rolle mehr spielen, es muß vergessen und gänzlich wertlos sein.“

Henry Miller (*1891, †1980), US-amerikanischer Schriftsteller, "Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch" S. 23 (1958)

 

Über die Kapitalkonzentration bei wenigen Konzernen erlangen diese immer mehr die Macht über die gesamte Produktion. Alle Entwicklungen, die aus den multinationalen Konzernen kommen, sind schon heute dafür gedacht, die Menschen noch abhängiger zu machen.“

Herkunft unbekannt

 

Heiratet ein Mann seine Haushälterin und macht sie zur Hausfrau - was bewirkt er damit? Er schmälert das Bruttoinlandsprodukt. Stoßen zwei Jumbojets über New York zusammen - was resultiert daraus? Das Bruttoinlandsprodukt wächst.“

Herkunft unbekannt

 

So wurden beispielsweise Politiker zur Höhe der Staatsverschuldung interviewt: Dabei konfrontierte man die Bundestagsabgeordneten im Jahr 1996 mit der Zahl 2 024 101 579 289 und bat sie, diese Zahl der Staatsverschuldung in Worten auszusprechen. Die Angaben schwankten zwischen 2 Milliarden und 224 Milliarden oder einem diffusen 10 hoch 7. Eine Abgeordnete weigerte sich sogar strikt, diese „schreckliche Zahl“ auszusprechen.“

Herkunft unbekannt

 

Die kleinen und mittleren Unternehmen (innerhalb der EU haben 99% aller Unternehmen weniger als 50 Beschäftigte) haben im Gegensatz zu den transnationalen Konzernen nur sehr schwer Zugang zu den globalen Finanzmärkten. Gerade im Hinblick auf die Anlage-, Kredit- und Absicherungsbedingungen sind sie damit strukturell benachteiligt, ein Umstand, der zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen führen kann.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die staatlichen Instanzen werden in mehrfacher Weise indirekt oder direkt diszipliniert. Der „Standort“ muss für das Anlage suchende Kapital attraktiv sein: möglichst geringe Kosten, größtmögliche Ausdehnungschancen. Steuern, Zinsen, Infrastrukturausstattung, Rechtssicherheit, Lohn- und Lohnnebenkosten, wirtschaftspolitische Ziele wie Preisstabilität (mit ihrer Auswirkung auf Wachstum und Beschäftigung) sollen sich nach den Interessen der Global Player richten. Autonome, national-staatliche Wirtschaftspolitik findet im Kontext von Sanktionsdrohungen (Exit-Option des Kapitals; sinkende Bewertung durch Rating-Agenturen) und der Standorte-Konkurrenz mit anderen Ländern ihre Grenze.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die Dominanz des Ökonomischen über das Politische erweist sich auch darin, dass gerade in den Reichtumszonen der Staat immer mehr als Durchsetzungsagentur für die untereinander in Konkurrenz befindlichen Interessen funktioniert. Die Steuer- und Abgabenlast der Vermögensinhaber ist in allen Staaten der Welt deutlich geringer als jene anderer Steuerpflichtiger, wenn sie nicht sogar gegen null geht.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Eine besondere Rolle in den globalen Machtbeziehungen nehmen die internationalen Organisationen ein, in erster Linie der IWF und die Weltbank. ... Die reichen Länder, überproportional die USA, können alle wesentlichen Entscheidungen veranlassen oder unterbinden und sie tun dies regelmäßig nicht zu Gunsten der Länder, zu deren Unterstützung diese Institution vor allem gegründet wurde, sonder teils im Interesse westlicher Finanzakteure, teils unverhohlen im Interesse staatlicher Machtansprüche, besonders der USA ... Die Empfängerländer sind nicht mit angemessenen Mitwirkungs- und Stimmrechten beteiligt! Außer im Bereich der militärischen Gewalt ist nirgends das Machtungleichgewicht krasser als in der Finanzwelt.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Kredit ermöglicht Expansion, und die daraus resultierenden Zwänge zu Schuldendienst und Schuldentilgung erzwingen weitere Expansion bei Strafe des Untergangs. Das verwandelt den Wettbewerb in einen Verdrängungskampf - freilich zumeist anonym und versachlicht. Zins und Zinseszins entfalten so eine eigenständige Wirkkraft.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die herrschende Ökonomie tendiert unter der Peitsche der Geldvermehrung mehr und mehr auf eine Welt zu, die von steigender Gewalttätigkeit mit Inseln eines friedlosen Friedens gekennzeichnet ist: Auch auf den Inseln der gebremsten Gewalt und der friedlichen Geldvermehrung steigt für viele Menschen das Existenzrisiko - trotz allgemeinen Reichtums und trotz hochentwickelter Produktivkräfte.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Paul Krugman, der zu den renommiertesten Wirtschaftswissenschaftlern der Welt zählt, weist darauf hin, dass die Reichen - befreit von allen Gleichheitsidealen - immer mehr Wohlstand an sich reißen und die Mittelschicht sich auflöse.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Bei aller Sensationslust hat man sich daran gewöhnen müssen, dass folgenschwere unternehmerische Entscheidungen keinerlei öffentlicher Rechenschaft unterliegen und dass etwa so zentrale Entscheidungen wie der Zinssatz oder die Bedingungen von Krediten an Not leidende Länder hinter verschlossenen Türen fallen. Demgegenüber kann es als geradezu selbstverständlich erscheinen, dass auch weit unterhalb des globalen Prozesses wirtschaftspolitische Entscheidungen und wirtschaftliche Entscheidung von großer gesellschaftlicher Tragweite weniger in Parlamentsausschüssen, sondern eher auf Golfplätzen, in Ferienhotels und Nachtklubs getroffen werden. Zur Selbstverständlichkeit ist es geworden, daß beispielsweise die so umfassenden einflussreichen Entscheidungen der Institutionen der Europäischen Union inhaltlich vielfach von wohl ausgerüsteten Interessenlobbys vorformuliert werden.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Robert Reich, der Arbeitsminister der ersten Amtsperiode der Clinton-Administration, betont in seinem Rückblick auf seine Erfahrungen als Minister, dass alle irgendwie bedeutsamen Entscheidungen des Kabinetts in Rücksicht auf die Reaktion von Wall Street getroffen wurden.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die neue Ausrichtung begünstigt vor allem solche Vermögen, deren Manager sich einem abstrakten, leeren Maximierungszwang ausliefern (müssen). Die auf den Finanzmärkten sich auswirkenden Marktkräfte übertreffen in Beweglichkeit und Masse die Mittel, die von Zentralbanken und/oder Regierungen zur Regulierung der Finanzmärkte eingesetzt werden können. Das kann nicht ohne Folgen bleiben für andere Bereiche des Wirtschaftens.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Da die Finanzmärkte mehr und mehr die Wertungen für allem wirtschaftlichen Aktivitäten vorgeben, wird dadurch auch die Wahlfreiheit in der Realwirtschaft eingeschränkt. Ein Top-Manager eines Weltkonzerns sagte uns in einem persönlichen Gespräch: „Wir sind schlichtweg abhängig von den Kapitalmärkten. Ich frage mich oft: Wie weit ist eine Unternehmensleitung noch Herr des Geschehens?“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die institutionellen Anleger (die Investmentfonds, Pensionsfonds und Versicherungen) bilden das eigentliche Agens der Dynamik der Finanzmärkte, da sie der Maximierung des shareholder-values verpflichtet sind. Sie sind die Hauptakteure, die die Börse prägen. Sie versuchen - durch entsprechenden Druck - zu erreichen, daß die an der Börse notierten Unternehmen eine maximale Rendite erzielen.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Der herrschenden Auffassung zufolge ist es die Aufgabe der Finanzindustrie, mit ihren Produkten der Realwirtschaft zu dienen. Sind aber nicht tatsächlich umgekehrt weite Teile der Realwirtschaft mit dem Aufstieg der Finanzindustrie zu deren abhängigen Dienstleistern geworden? Wird die Entbändigung der Finanzindustrie nicht zum Problem für alle am Wirtschaften Beteiligten?“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

So viel ist gewiss: Die Vermögensverwendung hat sich verschoben. Relativ mehr Vermögen wird spekulativ bewegt, im Verhältnis dazu wird weniger Vermögen in der Realwirtschaft veranlagt. Das Tempo und die Fristen des Entscheidens sind zu Ungunsten der Realinvestoren verschoben. Teile der Realwirtschaft sind jetzt weniger von Banken, jedoch stärker von den Finanzmärkten abhängig geworden. Dadurch sind sie stärker abhängig von den Risiken spekulativer Finanzoperationen.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die Bewertungen von Analysten, also die erwarteten Verschiebungen künftiger Aktienkurse, werden wichtiger als jegliches realwirtschaftliche Kalkül. So entsteht ein enormer Druck und Sog auf das Management, alle Faktoren der wirtschaftlichen Entscheidung - Produkte, Beschäftigung, Werbung, Konfiguration der Unternehmen und der Betriebe - an kurzfristige Spekulationen anzupassen.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Im Kern ist die Spielregel nicht neu: es ist die Maximierung der Vorteile, der maximale Profit. Neu ist aber, dass die lokalen oder nationalen Besonderheiten, der politische, verbandliche, staatliche Einfluss mehr und mehr an Geltung verloren haben. Politik und Staat zurückdrängen, sie zu Gehilfen vornehmlich der privaten Vermögensmehrung machen - das ist die neue Spielregel.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die Manager der Großunternehmen sind eine der Schnittstellen zwischen der Realwirtschaft und der Finanzwirtschaft: zum einen sind sie in ihrer Managementfunktion Teil der Realwirtschaft, zum anderen in dieser Funktion Mitspieler auf den Finanzmärkten. Sie treiben ihre eigenen Interessen (Gehälter, Boni = zusätzliche Vergütungen, Prestige) voran - nicht selten gegen das Interesse der Belegschaft, des Unternehmens, ja der shareholder.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Daher die Frage: Ist die neue Welt des Kapitals Fluch oder Segen für die Menschen? Die Antwort ist - grundsätzlich - klar: Unter dem Vorzeichen eines öko-sozialen Paradigmas muss dieser fondsgesteuerte Kapitalismus gezähmt werden. Denn: Partikulare und Gemeinwohlinteressen spießen sich.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Viele der unter Druck gesetzten Manager erklärten: „Die Finanzmärkte übernehmen die Kontrolle“. Europäische Konzernpolitik werde heute nicht selten in den Geld- und Kapitalzentren jenseits des Atlantik mitentschieden, wenn nicht bestimmt.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die institutionellen Anleger gebieten über außergewöhnliche Summen: das gebündelte Vermögen kleiner Anleger und großer Investoren, von Firmen, Institutionen und reichen Privatkunden. „Fidelity Investment Services“ gilt als das größte unabhängige Fondsunternehmen der Welt. Nach eigenen Angaben (des Jahres 2000) verwalten sie ein Fondsvermögen von 975 Milliarden Euro. Die institutionellen Anleger gelten als die Hauptakteure und der Motor der Dynamik der Finanzmärkte.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Sicherlich gibt es auch unbestechliche Analysten. Cole schildert den Kampf und das Geschick einiger dieser Menschen, die versuchten, sich den „mafiosen“ Strukturen der Finanzmärkte zu widersetzen. Christopher Chandiramani von Credit Suisse First Boston zum Beispiel wurde vier Tage nach Veröffentlichung seiner Analyse über einen Luftfahrtkonzern gefeuert; er hatte - wie später offenbar wurde - die richtigen Folgerungen aus dem ihm vorliegenden Datenmaterial gezogen. Viele dieser unabhängigem Analysten, die den Wünschen von Banken, Emissionsabteilungen und Unternehmen zur Schönfärberei von Aktien nicht entsprachen, wurden herabgestuft oder entlassen. Nicht selten sahen sich diese Analysten wegen ihrer Bewertungen den Attacken ihrer Analystenkollegen ausgesetzt.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Die Logik der Macht-Konkurrenz zwingt dem unternehmerischen Handeln - bei Strafe des Untergangs - die Maximierung des Gewinns auf. Die Produktion von Gütern (= Gebrauchswerten) und ihr Absatz ist Mittel zum Zweck. Das Geldkapital ist in dieser Logik zudem einer Dynamik unterworfen, die auf „Vermehrung“, auf Wachstum angelegt ist: die „zinsgetriebene Expansion.“

Herwig Büchele (*1935), öst. Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Theologe; Prof. für Christl. Gesellschaftslehre, Uni Innsbruck,Erich Kitzmüller (*1931), öst. Sozialwissenschaftler; Prof. für Wirtschaftsphilosophie, Uni Klagenfurt, in "Das Geld als Zauberstab und die Macht der internationalen Finanzmärkte" (2005)

 

Ich sah aber auch einen anderen Ort, ... ganz finster, das war der Ort der Strafe ... weiter standen Männer und Frauen bis an die Knie in einem See, der groß und mit Eiter und Blut und aufkochendem Schlamm gefüllt war. Das waren die, welche auf Zins liehen und Zinseszins forderten.“

Hirt des Hermas, Bruder des Bischofs Pius I. von Rom, Neutestamentliche Apokryphen

 

Aber trotzdem finden nun auch heute noch die allermeisten Menschen die Situation eigentlich recht gemütlich. Sie sehen nach wie vor nicht den geringsten Grund, am bisherigen Kurs unserer Gesellschaft - der ja in der Vergangenheit unbestreitbar höchst erfolgreich gewesen ist - irgendwelche, geschweige denn radikale Korrekturen vorzunehmen. Fürwahr, wenn die menschliche Gesellschaft eines nicht allzufernen Tages dem ökologischen Kollaps zum Opfer fiele, wäre als Todesursache ein lebensbedrohlicher Mangel an Phantasie, an Vorstellungskraft, anzuführen.“

Hoimar von Ditfurth (*1921, †1989), dt. Wissenschaftsjournalist, Autor und Fernsehmoderator, in "Die Sterne leuchten, auch wenn wir sie nicht sehen"

 

Die Menschen engagieren sich, sie übernehmen füreinander Verantwortung. Sie setzen auf Miteinander und Gemeinsinn ... Eine lebendige, solidarische und kreative Bürgergesellschaft entsteht nur durch das Engagement der Bürger selbst.“

Horst Köhler (*1943), ehem. dt. Bundespräsident (2005)

 

 

 

 

 

 

Gelesen 10775 mal Letzte Änderung am Samstag, 20 August 2011 08:14
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