Donnerstag, 21 Januar 2016 17:19

Beispiel: Togo

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(pk) Die heutige Sicht auf Togo zeigt die Folgen der Kolonialherrschaft und der unveränderten Abhängigkeit von ausbeutenden Staaten der frühindustrialisierten Welt. Die Menschen begegnen den von Armut geprägten Lebensbedingungen pragmatisch durch Landflucht und Migration, aber auch mit Mitteln und Methoden, die in Vorstellungen und Kenntnissen der ursprünglichen Kultur verankert sind.

Land und Leute

Das schmale, in Nord-Süd-Richtung lang gezogene kleine Land Togo ist in fünf Regionen gegliedert. Von 1884 bis 1916 galt Togo als deutsche, seitdem als französische Kolonie. Ende des 19. Jahrhunderts lebten 1 Mio. Einheimische und 110 Europäer (davon 102 Deutsche) in Togo, dessen Außengrenzen ohne Rücksicht auf Stammesgebiete willkürlich gezogen wurden. Tatsächlich setzt sich die Bevölkerung Togos aus vielen verschiedenen Ethnien zusammen. Entsprechend vielfältig ist bis heute die Präsenz ursprünglicher Sprachen (die Amtssprache ist Französisch). Mit seinen 7 Mio. Einwohnern ist Togo heutzutage das am dichtesten besiedelte Land Afrikas.

Die überwiegend junge (unter 25 Jahre) Bevölkerung setzt sich aus mehr als 40 Ethnien zusammen. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung des nördlichen und des südlichen Teil des Landes entstanden Spannungen, die bis heute andauern. Auch die durch den damaligen Präsidenten Eyadéma gezielten Förderungen des Nordens in den 1960er-Jahren konnten daran nicht wirklich etwas ändern.

Im Human-Development-Index liegt Togo an der 162. Stelle von 188 Staaten und gilt damit als einer der weltweit ärmsten Staaten. Gesundheits- und Bildungswesen (57 Prozent der Menschen in Togo sind Analphabeten) sind unzureichend entwickelt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze von 1,25 USD pro Tag. Der Happy-Planet-Index verzeichnet Togo als das unglücklichste Land der Welt.

Politische Situation

Politisch ist Togo seit den ersten allgemeinen Wahlen im Jahr 1958 und der Erklärung der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 bis zum heutigen Tag auf dem Weg zu einer gelebten, tatsächlichen Demokratie. Faure Gnassingbé als aktuell amtierender Präsident führt das Land allerdings autokratisch.

Die Landflucht und die durch Saisonarbeit bedingte Migration nach Ghana prägen nachhaltig die Situation, besonders im Norden und Nordosten des Landes. Aber auch in andere Länder Afrikas finden Abwanderungen statt. 2015 baten demgegenüber 22.500 Personen in Togo um Asyl. Die meisten von ihnen stammen aus Ghana, der Elfenbeinküste oder aus Burkina Faso.

Widrigkeiten und Lösungen

Der überwiegende Teil der Bevölkerung (etwa 60 Prozent) Togos ist in der Landwirtschaft tätig. Der Anteil der Landwirtschaft am BIP liegt bei 38,6 Prozent (Industrie 21 Prozent). Die wichtigsten Exportgüter sind Calciumphosphat, verarbeitete Baumwolle (27 Prozent), Kaffee (10 Prozent), Tee und Kakao. Die privatwirtschaftliche Situation der Menschen ist von allgemeiner Armut mit all ihren Auswirkungen geprägt. Das BIP Togos beläuft sich auf 2.497 Mio. USD (pro Kopf 387 USD) bei Auslandsschulden in Höhe von 1,8 Mrd. USD (etwa 75 Prozent des BIP). Zum Vergleich: Das BIP in Deutschland liegt bei 3.636 Mrd. USD (pro Kopf 44.999 USD) bei einer Staatsverschuldung in Höhe von etwa 2.172 Mrd. USD (etwa 60 Prozent des BIP).

Obwohl die Gleichberechtigungen von Frauen und Männern in die Verfassung von 1992 aufgenommen wurde, sieht die Realität, vor allem in ländlichen Regionen, oft anderes aus. Mikrokredite helfen den Frauen dort beim Aufbau eigener wirtschaftlicher Existenzen.

Zwangsheirat und Zwangsbeschneidung kommen immer noch vor, obwohl 2012 das offizielle Ende der Beschneidung von Frauen und Mädchen verkündet wurde. Aufklärungskampagnen sollen der Zunahme der Prostitution Jugendlicher und der Tabuisierung der Homosexualität entgegen wirken.

Ein großes Problem ist in Togo der Handel mit Kindern. Man geht davon aus, dass ständig etwa 300.000 Kinder (vor allem Mädchen) zwischen fünf und 15 Jahren in anderen Ländern als Sklaven ausgebeutet werden. Kinder mit Behinderungen werden oft weg gesperrt und verachtet. International tätige NGOs sind darum bemüht, das zu verändern.

Trotzdem sich 29 Prozent der Menschen in Togo zum Christentum und etwa 20 Prozent zum Islam (Tendenz steigend) bekennen, sind die ursprünglichen Naturreligionen (Ga und Yoruba) nach wie vor sehr verbreitet. Besonders die Religion der Ga ist stark mit dem landwirtschaftlichen Feldbau und der Fischerei verknüpft. Darin liegt die Chance, ein ökologisches Verständnis mit den ursprünglichen kulturellen Wurzeln zu verknüpfen.

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