Donnerstag, 21 Januar 2016 17:18

Beispiel: Äthiopien

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(rb) Äthiopien ist ein Binnenstaat in Ost Afrika, das bedeutet das der Staat vom Handelsweg „Meer“ abgeschnitten ist und dadurch erschwerte Handelsbedingungen zu bewerkstelligen hat. Die als ungenügend zu bezeichnende Infrastruktur der Straßen und des Schienenverkehrs stellen ein weiteres Erschwernis für die Wirtschaft dar.

Äthiopiens Wirtschaft lebt von seiner Landwirtschaft und dem Kaffeeexport , darum spielen die Handelsbedingungen eine große Rolle. Da der Nachbarstaat Eritrea einen Zugang zum Meer besitzt, aber 1993 seine Unabhängigkeit von Äthiopien erhielt, verlor Äthiopien seinen Handelsweg, was zu Grenzkriegen um die Provinz Tigray führte und auch heute noch für eine für Krisen anfällige Situation beider Staaten sorgt. Einen weiteren Grenzkonflikt führt Äthiopien mit Nationalisten aus Somalia, die den Teilbereich der Somali Region Ogaden, einem „Großreich Somalia“, angliedern wollen.

Die EPRDT ist als Regierungspartei Äthiopiens etabliert und regiert unter einem föderalen System, ist dabei aber weitgehend autoritär und zentralistisch organisiert. Die Partei gibt an demokratisch-sozialistisch, regionalistisch und föderalistisch zu sein. Sie deutet eine Orientierung zur Marktwirtschaft an, ist aber der Meinung das Grund und Boden in Staatsbesitz bleiben müsse. In der Vergangenheit waren sie wirtschaftlich am kommunistischen China orientiert.

Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und nimmt unter ihnen den letzten (von fünfzehn Plätzen) Platz ein. 49 Prozent der Bevölkerung sind unterernährt. Ein Grund dafür sind die häufigen Dürreperioden, die zu einem großen Teil der Bodenerosion durch extreme Abholzung der Wälder in den letzten 50 Jahren geschuldet sind. Nur noch drei Prozent der Fläche von Äthiopien ist bewaldet. Traten in früheren Zeiten diese Dürreperioden nur etwa alle 20 Jahre auf, so haben die Menschen nun ca. alle drei bis vier Jahre mit dieser Katastrophe zu kämpfen.

Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, laut UNO, WHO und UNICEF nur jeder zweite äthiopische Bürger.Viele Menschen sind auf humanitäre Hilfe von Hilfsorganisationen angewiesen, da die Selbstversorgung kaum möglich ist.- Laut Verfassung sollen die Rechte der Frauen verwirklicht werden, dennoch sind Zwangsheiraten von jungen Mädchen und die Genitalverstümmelung von Frauen noch weiterhin verbreitet. Es herrscht ein hoher Analphabetismus, im Erfassungsraum von 2000 bis 2007 waren davon 65 Prozent der Einwohner betroffen; der Frauenanteil ist hierbei deutlich höher.- Dem herrschenden Gesetz nach ist Homosexualität illegal und wird mit Strafen von ein bis zehn Jahren Gefängnis geahndet. In der Inhaftierung sind homosexuell orientierte Menschen schweren körperlichen Strafen und Folterungen ausgesetzt.- Allerdings schützt die Verfassung das Recht der Kinder. Kinderarbeit ist in Äthiopien dennoch weit verbreitet, die Kinder arbeiten überwiegend in familiärer Landwirtschaft. Die Säuglingssterblichkeit ist hoch, bei 1'000 Geburten sterben wegen mangelnder medizinischer Betreuung 77 Neugeborene.- Etwa drei Millionen Menschen sind mit dem HI-Virus infiziert, und über eine Million Kinder sind durch die Erkrankung ihrer Eltern verwaist.

Initiativen, wie die Karl-Heinz Böhm Stiftung „Mensch für Mensch“ haben Ideen und Projekte für Hilfen zur Selbsthilfe entwickelt, die nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen, z.B. durch Kleinkreditvergaben, vorrangig an Frauen, die sich damit eine landwirtschaftliche Existenz aufbauen, oder Kleinstunternehmen gründen. Mit entsprechender Beratung und Aufklärung sind viele der Projekte von Erfolg gekrönt. Zu den Projektschwerpunkten gehören: Zugang zu Wasser; die Ermöglichung von Bildung, die Verbesserung der Infrastruktur; die Agrarökologie für Nachhaltigkeit; die Aufklärung in Gesundheitsfragen, medizinische Betreuung; die Rechte der Frauen und Ihr Selbstbewusstsein stärken; Kindern ein Heim und Bildung zu ermöglichen.

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