Wirtschaftskurs an Schulen

Von den Möglichkeiten, im eigenen Alltag die Zukunft verantwortlich und aktiv mit zu gestalten

Immer mehr Menschen begegnen den zunehmenden Herausforderungen des Alltags mit dem Wunsch, selbst mit gestalten zu können, was die Lebenswirklichkeiten letztendlich ausmacht. Dies bezieht sich auch auf die Bereiche Wirtschaft und Geld. Nicht zuletzt durch die gegenwärtigen Krisenereignisse ausgelöst, werden die gegebenen Verhältnisse kritisch hinterfragt und Ideen dafür entwickelt, wie Wirtschaft und Geld gerechter und ökologisch sinnvoll gehandhabt werden können.

Hinzu kommt z.B. für junge Menschen an Schulen und in Berufsausbildungen, dass die Anforderungen der künftigen Lebens- und Arbeitswelt idealerweise auch mindestens ein Grundlagenwissen im Gebiet der Ökonomie erfordern, andernfalls bleibt ein Großteil der Wirklichkeit und der Handlungsoptionen für den einzelnen Menschen verschlossen.

Es besteht insofern ein Bedarf, Grundlagenwissen zu den Bereichen Wirtschaft und Geld zu vermitteln, um Menschen in die Lage zu versetzen, die eigenen Motivationen und Ideen in die Welt einbringen zu können. Die Zeit der Schule und Berufsausbildung ist dafür ideal. Unser Kurs „Meine Welt, Wirtschaft und Geld“ deckt diesen Bedarf und kann als zusätzliches Angebot in bestehende Konzepte integriert werden.

Der Kurs

Im Schuljahr 2011/2012 haben wir auf Anregung der Freien Waldorfschule in Leipzig ein Kursprogramm entwickelt und erstmals durchgeführt, das jungen Menschen ein qualifiziertes Grundlagenwissen zum Thema Wirtschaft und Geld vermittelt. Der Kurs ist in vier Teile gegliedert, die als Fernkurs mit Präsenzphasen absolviert werden. Die Zusammenfassung in geschlossene Unterrichtsblöcke ist ebenfalls möglich. Am Lehrgangsende wird von den Teilnehmenden ein Abschlusstest geschrieben.

Das Studienmaterial ist praxisorientiert. Zum einen werden alltägliche Szenarien aus dem Geschäftsbetrieb eines Großunternehmens und einem bürgerschaftlich organisierten und geführten Laden vorgestellt und behandelt, zum anderen gehen wir auf Alltagssituationen (Banken, Versicherungen, Steuern usw.) ein. Zu den Darstellungen zum Thema Geld gehört auch, dass wir ausführlich die Typologie und Anwendungsgebiete von Komplementärwährungen beschreiben. In diesem Zusammenhang werden sowohl gewerbliche als auch bürgerschaftlich organisierte Modelle vorgestellt und mit Übungen zur Praxis verbunden.

Der Zusammenhang des Gemeinwesens mit Wirtschaft und Geld wird bearbeitet, indem die Teilnehmenden Steuern und deren Verwendungen kennenlernen und einen Überblick über die Aufgaben kommunaler Verwaltungen in Bezug auf Wirtschaftsförderungen bekommen.

Inhalte

Teil 1: Geld

Was ist eigentlich Geld? Verschiedene Zahlungsmittel und Verrechnungseinheiten. Kapital, Kredit und Zins. Spekulation. Aktienkurse und reale Unternehmenswerte. Wie geht es weiter mit dem Geld?

Teil 2: Wirtschaft

Was ist eigentlich Wirtschaft? Bedarf planvoll decken. Unternehmen, Firmen und Netzwerke. Verantwortung von Firmen und VerbraucherInnen. Gemeinschaft und Gemeinsamkeit.

Teil 3: Haushalt(en)

Was ist eigentlich ein Haushalt? Bedarf, Leistung und Konsum. Lokale, regionale, nationale und globale Wirtschaft. Stadtentwicklung und Bürgerinitiative. Krisen und ihre Bewältigung.

Teil 4: Ökologie

Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung. Die Entwicklung der gegenwärtigen Wirtschaft und mögliche Zukunftsszenarien. Initiativen jenseits von Konzernen und Regierungen.

 

Der Kurs wurde in den vergangenen Jahren mehrfach durchgeführt und weiterentwickelt. Nehmen Sie bei Interesse gern Kontakt mit uns auf. Einige Rückmeldungen von TeilnehmerInnen finden Sie hier.

www.aktiv-zukunft-leben.de/kurs-wirtschaft-an-schulen

 

Im Gespräch mit Margrit Kennedy

http://www.fairventure.de/images/stories/Referenten/kennedy.jpgProf. Dr. Margrit Kennedy: Expertin für Regionalgeld und Komplementärwährungen. In Darmstadt zunächst als Architektin ausgebildet, arbeitete sie als Stadtplanerin und Ökologin in Deutschland, Nigeria, Schottland und in den USA . Promotion in Pittsburgh, Pennsylvenia zum PhD. Forschungsvorhaben zum Thema "Schulen als Gemeinschaftszentren" in 15 Ländern Europas und in Nord- und Südamerika. Von 1979 bis 1984, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Berlin 1987, Leitung des Forschungsbereichs Ökologie/Energie und Frauenprojekte, und Gastprofessur für Stadtökologie an der Gesamthochschule Kassel.  1991 wurde sie als Professorin an den Fachbereich Architektur der Universität Hannover berufen; sie leitete dort bis 2002 die Abteilung "Technischer Ausbau und Ressourcensparendes Bauen".

 

Workshop mit Leander Bindewald

Komplementärwährungen haben sich als Erfahrungsfeld und Innovationsbereich im Grass-Root, Non-Profit, Privaten und Nicht-Regierungs Sektor etabliert. Die Notwendigkeit in Finanz und Geld Fragen umzudenken hat nicht erst durch die Finanzkrise auch den öffentlichen Sektor erreicht. Explodierende Schulden Portfolios, fehlende regionale Entwicklung und bürgerferne Entscheidungsprozesse stellen gesamtgesellschaftliche Probleme dar, denen sich  gerade die Lokalpolitik nicht mehr entziehen kann. Das übersektorale Kollaborationsprojekt “Community Currencies in Aktion“ (CCIA) (www.communitycurrenciesinaction.eu) stellt diesen Fragestellungen Lösungsansätze durch Komplementärwährungen gegenüber.


Die New Economics Foundation in London untersucht, versucht und verbreitet seit über 25 Jahren neue Wege und Perspektiven für eine inklusive Mensch und Umwelt orientierte Wirtschaftsweise. Als Partner in CCIA geht es uns vor allem um die Validierung, Ausschöpfung und Verbreitung von Komplementärwährungen in zunächst in Nordwesteuropa (gefördert durch den Regionalentwicklungs Fonds der EU). Von meiner Arbeit in diesem Projekt und bei der New Economics Foundation möchte ich dieses Jahr bei fairventure berichten.

 Themen: Komplementärwährungen, Öffentlicher Sektor, Multi-Stakeholder, Impact Assessment, Europa, Kollaboration

Workshop mit Roland Wiedemeyer

Über Alternativen reden ist wichtig. Im Juli 2012 entschlossen sich 54 Personen ins Handeln zu kommen. Was war am Anfang das Konzept, wo stehen wir heute. Erfahrungen, Schwierigkeiten, Ideen, Lösungen. Praktische Beispiele aus dem Alltag der ReWiG Allgäu eG. Das ReWiG Konzept ist als Open Source Konzept zu verstehen und möchte viele Menschen dazu anregen, das gleiche oder ähnliches in der eigenen Region umzusetzen. Im Rahmen eines kurzen Einführungsvortrages werden die wesentlichen Rahmenbedingungen und Umsetzungselemente erläutert. Anschließend ist Raum für Fragen und den konkreten Erfahrungsaustausch. Zahlen, Daten, Fakten und die verbundenen Gefühle stehen dazu als Quelle in persona von Roland Wiedemeyer zur Verfügung.

 Themen: Komplementärwährung, Gemeinwohlökonomie, Schöpfungsrechte, Wirtschaftsgemeinschaft, Genossenschaft

Workshop mit Prof. Dr. Johann Walter

Das bestehende Geldsystem ist in mehrfacher Weise problematisch. Umgestaltungen der bestehenden Geldordnung werden aber bei denen auf Widerstände stoßen, die vom bestehenden System profitieren. Geldreformen sind insofern hochexplosiv.
Der Workshop soll vor diesem Hintergrund die Frage behandeln, inwieweit ein „soziales“, „grünes“ oder „ethisches“ Geldsystem eingeführt werden kann, wenn neues Geld ergänzend zum bestehenden Geld eingeführt wird bzw. wenn dieser Prozess von den Kommunen, also mit staatlicher Hilfe umgesetzt wird – und inwieweit dringende öffentliche Aufgaben dann leichter realisiert werden können. Zu fragen ist auch, welche Partner hier „mit ins Boot“ genommen werden könnten (z.B. GLS-Bank?).
Die Teilnehmer des Workshops sollen hier in einen kreativen Prozess verstrickt werden, in dessen Verlauf neue und zugleich realistische Ideen für komplementäres „Kommunalgeld“ gefunden werden.

 Themen: Komplementärwährung, kommunale Netzwerke, ethische Geldwirtschaft

Dank dem Einsatz von mutigen Querdenkern mit ihren Frühwarnungen und begeisterten Aktivisten ist viel erreicht auf dem Weg zu nachhaltigeren Gestaltungen. Doch wie sieht es aus mit dem Lernen, dass der Eifer für nachhaltiges Gestalten selbst nachhaltig wirken kann?

Weit mehr als 4.000 Systeme zur Handhabung komplementärer Währungen sind inzwischen weltweit entstanden. Von sehr großen Systemen, wie dem WIR-Verrechnungsring bis hin zu kleinen nachbarschaftlich organisierten Tauschringen reicht die Bandbreite. Dabei haben sich die unterschiedlichsten Währungsarten entwickelt. Schon äußerlich betrachtet finden sich rein digitale Verrechnungseinheiten, Wertgutscheine oder auch das gute alte Warengeld. Doch sind solche Äußerlichkeiten wirklich maßgebend für die Qualität eines Geldsystems?

Bemerkenswert ist, dass jeder x-beliebige Gegenstand zum Zahlungsmittel werden kann, wenn es Menschen gibt, die sich darauf verständigen. An die Stelle eines Tausches von Ware gegen Ware (Mehl gegen Wurst z.B.) tritt die Vereinbarung, in einem Verbund von darauf verabredeten Menschen Knöpfe als gemeinsame Währung zu verwenden. Wenn es sichergestellt ist, dass mehr als zwei Handelspartner die Knöpfe als Zahlungsmittel akzeptieren, ist eine komplementäre Währung entstanden.

Rudolf Steiner (1861-1925) hat in seinem umfassenden Lebenswerk auch zahlreiche Anregungen für ein anderes Wirtschaftssystem geliefert. Dazu gehört die so genannte Dreigliederungsidee, die auch einen anderen Umgang mit Geld anregt. Dazu gehört auch ein Modell der Abzinsung, in dessen Zusammenhang Rudolf Steiner vom "rostenden Geld" spricht. Damit wollte er den Geldumlauf anregen und spekulativen Interessen (Zinsgewinnen) entgegenwirken. Geld bekommt durch die Abzinsung die Eigenschaft des Alterns, wie sie beispielsweise verderblichen Waren zu eigen ist und die eine Wertminderung bewirkt. Rudolf Steiner hat - zu Recht - darauf hingewiesen, dass es absurd ist, dass Geld nicht altern, also wertloser werden kann, sondern geradezu das Gegenteil der Fall ist (scheinbare Wertsteigerung durch spekulative Gewinne). Die wichtigsten Ausführungen zum Thema "Geld" finden sich in Rudolf Steiners "Nationalökonomischem Kurs" und dem dazugehörigen "Seminar". Als Bank arbeiten die GLS-Bank und die Triodos-Bank seit Jahrzehnten erfolgreich auf der Grundlage der Ideen Rudolf Steiners.

 

 

Eine Komplementärwährung ist die Ergänzung eines regulär verwendeten Zahlungsmittels. Nimmt ein Händler von einem Kunden neben dem Euro auch US-Dollar zum Beispiel an, sind die Dollars in diesem Fall genauso eine Komplementärwährung, wie in einem Tauschkreis die "Talente" (z.B. ein Talent = eine Stunde).

Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Talente kein "Geld" im herkömmlichen Sinne sind, sondern Verrechnugseinheiten, die Tausch- und/oder Bartergeschäfte erleichtern sollen.