Ausstieg oder Einstieg?

Kultureller Wandel und Wertediskussion

18.12.2014 (pk) Der allgegenwärtige Wandel bringt es unübersehbar mit sich: Wert und Sinn des Lebens werden zunehmend verschieden definiert. Dabei können ökologisch sinnvolle Handlungsmodelle für die Welt der Zukunft besonders in einer Zusammenschau hilfreich sichtbar werden. fairventure ist eine Initiative zur Vernetzung kulturkreativer Menschen, die dazu bereit sind, einander undogmatisch und füreinander interessiert zu begegnen.

Das „andere“ Leben

Motiv der eigenen Lebensführung könnte es sein, dabei mitzuhelfen, eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Glaubt man diversen Umfragen, werden es, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, immer weniger, die das wichtig finden. Spaß, Glück und Genuss steigen demgegenüber statistisch betrachtet in der Gunst der Menschen. Gewissen, Religion und Verantwortung hingegen finden sich mittlerweile weit abgeschlagen. In der urbanisierten, hoch technisierten Welt wird es für Werte eng, die noch vor wenigen Jahrzehnten zum Grundbestand gesellschaftlicher Übereinkunft gehörten.

Aber das ist bei näherem Hinsehen nur die halbe Wahrheit. Die Zahl derer nimmt nämlich zu, die für sich den Ausstieg tatsächlich praktizieren. Qualität vor Quantität ist für sie keine hohle Phrase mehr, wenn es darum geht, die Zeit bezahlter Arbeit zugunsten freier Zeit zu verringern, kostenbewusst in kleinere Wohnungen umzuziehen oder ihren ökologischen Fußabdruck durch kreatives Wirtschaften zu verkleinern.

Auf den ersten Blick mag das gemessen am Mainstream befremdlich wirken. Der FAZ-Journalist Jan Grossarth hat das während der dreimonatigen Recherchen für sein Buch „Vom Aussteigen und Ankommen" (München 2011) an sich selbst erlebt, wenn er in Ökodörfern, Tauschringen oder Einsiedeleien auf Lebensstile traf, die ihm bis dahin noch gänzlich unbekannt waren. Aber was auf Anhieb ungewöhnlich und abgehoben wirkt, ist dennoch Ausdruck der Lebensart von durchaus tatkräftigen Menschen. Viele der Ausgestiegenen wussten am Tag X schließlich genau was sie taten. Für sie realisiert sich fortan die Erfahrung vom Lebenssinn jenseits von Konsum- und Karrierewahn.

Nötiges ist möglich

Der Arbeitspsychologe Tim Hagemann, in einem Interview für „Die Zeit“ danach befragt, übersieht keineswegs, dass viele Menschen ihre Arbeit besonders dann als sinnvoll erleben, wenn ein entsprechend hohes Einkommen moralische Bedenken oder subjektive Vorbehalte überblendet. Dennoch sind, das zeigen seine Forschungen, Menschen, die sich auch ideell mit den Inhalten ihrer Arbeit identifizieren können glücklicher. Kein noch so hohes Gehalt kann das langfristig ersetzen.

Alternative Lebensmodelle sind heutzutage keine Experimente mehr. Ob in kooperativen Arbeitswelten, in Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaften oder Initiativen, die ganz alltäglichen Bedürfnissen dienlich sind: Es war nie leichter, einen achtsamen Lebensstil zu praktizieren. Insgesamt sind es viele Ideen und Erfahrungen, die verfügbar sind. Der Wandel der Lebensverhältnisse ereignet sich nicht ohne die dem Leben dienliche Dimension. Der Begegnung und dem Austausch vor diesem Hintergrund sind die fairventure-Veranstaltungen gewidmet, die 2015 zum vierten mal stattfinden. In Stuttgart wird es vom 24. bis 26.04. unter dem Thema „Weltklangwelt“ vor allem darum gehen, dem Wandel musikalisch zu begegnen. Daran wirken international renommierte Künstler mit. Im Ökodorf „Lebensgarten“, das 2015 sein 30jähriges Bestehen feiert, werden zum Motto „Lebens(t)raum“ Ideen für den achtsamen Umgang mit Welt und Leben ausgetauscht. Informationen zu den Programmen und die Möglichkeit zur Bestellung von Tickets sind auf der fairventure-Website (fairventure.de) zu finden.